Eingewöhnungskonzept

1. Der Eingewöhnungsprozess

Der Übergang von der Familie in die noch unbekannte Kindertagesstätte bedeutet für jedes Kind eine große Herausforderung, insbesondere für seine Fähigkeit, sich an neue Umgebungen anzupassen und Beziehungen zu fremden Personen aufzubauen.

Während der ersten Zeit in der Kita ist das Kind mit unbekannten Räumen, fremden Erwachsenen und anderen Kindern konfrontiert. Es muss sich an neue Situationen, einen veränderten Tagesablauf und an die täglich mehrstündige Trennung von den Eltern gewöhnen. Die neue Umgebung fordert dem Kind Lern- und Anpassungsleistungen ab, die auch für ältere Kinder mit erheblichem Stress verbunden sein können.

Zwar sind auch sehr kleine Kinder in der Lage, sich an neue Umgebungen und Situationen anzupassen, aber insbesondere Kinder im Alter von ca. 0 - 3 Jahren sind überfordert, wenn sie diese Umstellung ohne Unterstützung der Eltern bewältigen müssen. Sie benötigen eine „sichere Basis“, um die neue Umwelt neugierig entdecken zu können.
Die Beteiligung der Eltern an diesem Prozess bildet eine wesentliche Grundlage. Ohne die Eltern kann die Aufnahme der Kinder nicht „fachgerecht“ geleistet werden. Neben der Hilfe, die die Anwesenheit des Elternteils in der Situation für das Kind darstellt, bietet eine Beteiligung auch die Möglichkeit, eine Beziehung und Vertrauen zwischen Eltern und Kita aufzubauen.

Um gute Voraussetzungen für den Aufbau einer gelungenen Bindungsbeziehung in der Kindertagesstätte zu schaffen, muss die Eingewöhnung von den Bedürfnissen der Kinder aus geplant werden.
Das Wohlbefinden des Kindes ist uns ein großes Anliegen. Daher liegt uns ein fachgerechter Verlauf der Eingewöhnungsphase in Zusammenarbeit mit den Eltern sehr am Herzen.

 

2. Leitsätze

Uns ist wichtig, dass …

  • sich das Kind wohl fühlt und einen positiven Start in die Kita erlebt.
  • sich das Kind langsam auf die fremde Umgebung, die neuen Personen und Kinder einstellen kann und so eine steigende Sicherheit bekommt.
  • die Eingewöhnungsphasen nach den Bedürfnissen und dem Verhalten des Kindes geführt werden.
  • die Eingewöhnung in den Kitaräumlichkeiten oder dem Kitagarten stattfindet.
  • Die gleiche Erzieherin wenn immer möglich die Eingewöhnung übernimmt.
  • wir die Eltern wieder beiziehen können, wenn sich das Kind von uns nicht trösten lässt.
  • die Eltern alle Mitarbeitenden der gesamten Kita kennenlernen.
  • die Eltern alle wichtigen Informationen der Kita vermittelt bekommen, damit sie gut orientiert sind und Klarheit haben.
  • die Eltern während der Eingewöhnungsphase die Kita, die Mitarbeitenden und den Tagesablauf kennen lernen, um Vertrauen zu fassen.
  • die Eltern nach abgeschlossener Eingewöhnung ihr Kind mit einem guten Gefühl in der Kita abgeben können.

 

3. Eintrittsgespräche

Das Eintrittsgespräch mit der Geschäftsleiterin findet ein bis zwei Monate vor Vertragsbeginn statt. In diesem werden Vereinbarung und Tarifberechnung geregelt und die Eltern erhalten formale Informationen zum Betrieb und Verein.

Das Eintrittsgespräch auf der Gruppe erfolgt bei der ersten Eingewöhnung. In diesem erfahren die Eltern Einzelheiten über die Gruppe. Die Eltern informieren die Erzieherin über Besonderheiten und Gewohnheiten ihres Kindes.

 

4. Rolle und Verhalten der Eltern im Eingewöhnungsprozess

Die Eltern planen für die Eingewöhnung genügend Zeit ein. Es sollte möglichst immer die gleiche Bezugsperson mit dem Kind zur Eingewöhnung kommen. In der Regel die Mutter oder der Vater, in Ausnahmesituationen könnte es auch eine andere enge Bezugsperson sein. Die Aufgabe des eingewöhnenden Elternteils ist es, dem Kind durch Präsenz und einer positiven Einstellung der Kita gegenüber eine „sichere Basis“ zu bieten. Die Eltern nehmen eine beobachtende und eher passive Rolle ein. Durch Augenkontakt wird dem Kind Aufmerksamkeit geschenkt. Sie spielen nicht mit anderen Kindern, das könnte das eigene Kind irritieren und ablenken. Die Eltern sind für ihr Kind da, drängen sich aber nicht auf. Sie zwingen das Kind auf keinen Fall, sich von ihnen zu entfernen und akzeptieren immer, wenn es die Nähe sucht. Zu Beginn bleiben die Eltern im selben Raum, ziehen sich aber stetig weiter zurück. Es ist wichtig, dass sie nie ohne Vorankündigung die Kita verlassen. Bei den Trennungsversuchen verabschieden sich die Eltern immer liebevoll, kurz und klar vom Kind, auch wenn es protestiert. Die Eltern sind in diesen Zeiten sofort erreichbar und entfernen sich nicht zu weit von der Kita. Es ist wichtig, dass Unklarheiten, Ängste und Fragen mit der Fachperson immer besprochen und geklärt werden.
Sie können sich jederzeit telefonisch nach dem Kind erkundigen.

 

5. Rolle und Verhalten der Erzieherin im Eingewöhnungsprozess

Die Erzieherin bereitet vor der ersten Eingewöhnung alles für das Kind vor: Platz im Geburtstagskalender, Zahnbürste und Zahnbecher, Windelfach, Kistli, Foto für den Tisch, Garderobe und Gesichtslappen etc.
Sie orientiert die Eltern zu Beginn des Eingewöhnungstags über die nächsten Schritte und Aufgaben. Sie nimmt den Eltern und den Kindern gegenüber eine offene und wohlwollende Haltung ein. Auf Fragen, Anliegen und Ängste geht sie unverzüglich ein und vermittelt Sicherheit und Orientierung. Die Erzieherin plant die Eingewöhnungsphasen optimal in den Tagesablauf ein und delegiert andere Aufgaben ab, um für das neue Kind präsent zu sein. Mit dem Kind nimmt sie vorsichtig und ohne zu drängen Kontakt auf, um Vertrauen, Interesse und Konstanz zu vermitteln und langsam eine tragfähige Bindung aufzubauen. Zudem unterstützt sie das Kind beim Kennenlernen der anderen Kinder und im vertraut werden des Tagesablaufs und der Räume. Bei Schwierigkeiten in der Eingewöhnung spricht sich die Erzieherin mit ihren Teamkolleginnen oder der Geschäftsleiterin ab. Gemeinsam mit den Eltern suchen wir nach Lösungen.
 

 

6. Eingewöhnungsphasen

  • Schnuppertage

Die Eingewöhnung startet mit zwei Schnuppertagen kurz vor Vertragsbeginn. Ein Elternteil besucht für 1-2 Stunden die Kita. Diese Besuche erfolgen in den Kitaräumlichkeiten entweder am Vormittag oder Nachmittag. Unser Ziel ist es, dass das Kind und die Eltern die Atmosphäre, die Räume, die Kinder und die Betreuungspersonen ohne Druck kennen lernen können. Während dieser Zeit sind die Eltern für die Bedürfnisse ihrer Kinder zuständig. Die Erzieherin ist präsent und befindet sich in der Nähe des Kindes und deren Eltern. Sie nimmt wenn möglich leichten Kontakt mit dem Kind auf und beobachtet dessen Verhalten und Reaktion. Mit den Eltern pflegt sie einen offenen Austausch. Erste Informationen des Kindes und des Gruppenalltags werden während den Besuchszeiten ausgetauscht. Ansonsten ist die Erzieherin primär für die bestehende Kindergruppe zuständig. Wenn es das Kind zulässt und so kein Druck entsteht, können sich die Eltern im selben Raum etwas zurückziehen, so dass sie dem Kind die Möglichkeit lassen, sich am Spiel zu beteiligen.

 

  • Eingewöhnung

In diesem zweiten Teil rechnen wir mit 6 Eingewöhnungssequenzen. Wie viel Eingewöhnungstage es effektiv braucht, entscheidet die Erzieherin mit den Eltern zusammen während der laufenden Eingewöhnung. Die erste Trennung erfolgt nicht an einem Montag. Vor und nach der ersten Trennung verweilen die Eltern mindestens noch eine halbe Stunde in der Kita. Während dieser Zeit wird das Kind beobachtet, ob es Stresssymptome (weinen, sich an die Eltern klammern, überspannter Körpertonus, apathisches Verhalten, bleiche Gesichtshaut, erhöhter Puls) zeigt, die gegen eine Trennung spricht.

Wenn sich das Kind nicht trösten lässt holen wir die Eltern nach 5-10 Minuten zurück. Wenn wir merken, dass das Kind bereits vor Ablauf der vereinbarten getrennten Zeit nicht mehr mag, holen wir die Eltern ebenfalls frühzeitig zurück.
 

1. Tag Eingewöhnungszeit beträgt 1-2 Stunden

  • Freispiel mit wenigen anderen Kindern im Gruppenraum
  • Erkundet den Raum und die Spielsachen, es bekommt Raum und Zeit, erste Erfahrungen zu sammeln
  • Die Eltern ermuntern das Kind für die ersten Erkundungsschritte, jedoch ohne Druck!
  • Die Eltern begleiten das Kind auf die Toilette oder wickeln es bei Bedarf, die Erzieherin begleitet den Elternteil, damit sich das Kind auch in diesen Bereichen an die Erzieherin gewöhnt.
  • Die Erzieherin beobachtet das Kind, nimmt immer wieder vorsichtig Kontakt auf, orientiert sich nach den Bedürfnissen des Kindes und bietet Spielsachen an.
     

2. Tag Eingewöhnungszeit beträgt 2 Stunden

  • Ablauf gleich wie am ersten Tag
     

3. Tag Eingewöhnungszeit beträgt 2 Stunden

  • Ist dem Kind eine erste Trennung zuzutrauen? Wenn ja, verlassen die Eltern während 15- 30 Min. die Kita, bleiben jedoch in der Nähe.
  • Die Eltern halten sich immer mehr im Hintergrund. Das Kind weiß, wo sich die Eltern befinden und kann sie jederzeit besuchen gehen.
  • Die Erzieherin übernimmt wenn möglich, das Wickeln des Kindes oder begleitet es auf die Toilette.
  • Die Erzieherin begleitet das Kind im Freispiel, im Kreis und beim Essen. Sie bezieht es ins Geschehen mit ein.
  • Wenn das Kind immer wieder zu den Eltern will, probiert es die Erzieherin liebevoll wieder ins Spiel zu integrieren und abzulenken.

4. Tag Eingewöhnungszeit beträgt 3 Stunden

  • Freispiel, Kreis, Z`Nüni oder Mittagessen
  • Die Eltern sind beim Essen und im Kreis dabei, halten sich aber möglichst im Hintergrund.
  • Die Eltern verlassen während einer bestimmten Zeit die Kita.
  • Die Erzieherin übernimmt das Wickeln des Kindes oder begleitet es auf die Toilette.
  • Die Erzieherin begleitet das Kind im Freispiel, im Kreis und beim Essen. Sie bezieht es ins Geschehen mit ein.
  • Wenn das Kind immer wieder zu den Eltern will, probiert es die Erzieherin liebevoll wieder ins Spiel zu integrieren und abzulenken.


5. Tag Eingewöhnungszeit beträgt 5 Stunden

  • Morgenkreis, Z`Nüni, Freispiel, Mittagskreis, Mittagessen und Schlafen
  • Die Eltern bleiben ½ - 1 Stunde dabei, verabschieden sich wie vereinbart und verlassen die Kita für die restliche Eingewöhnungszeit.
  • Sie sind immer auf Abruf und könnten in kürzester Zeit vor Ort sein.
  • Die Erzieherin kümmert sich eng um das neue Kind und begleitet es durch den Tag.
  • Eine zweite Mitarbeitende kommt hinzu, um zum Kind Kontakt aufzunehmen.
  • Das Freispiel erfolgt möglichst im Gumpizimmer/ Schlafzimmer, wo das Kind heute das erste Mal schlafen wird.
     

6. Tag Eingewöhnungszeit beträgt 7 Stunden

  • An diesem Tag laufen alle Eingewöhnungssequenzen möglichst ohne Eltern.
  • Wenn dies nicht möglich ist, werden weitere Daten für die Eingewöhnung vereinbart.
  1. Im ersten Monat nach der Eingewöhnung

Der erste Monat nach der Eingewöhnung ist für das Kind immer noch eine empfindliche Zeit. Das Kind hat die erste Hürde genommen, es kennt nun einzelne Personen, Räume und Abläufe. Das Vertrauen ist nun stetig am Wachsen, aber durchaus noch nicht gefestigt. Wenn immer möglich sollten im ersten Monat Präsenzzeiten im Früh- und Spätdienst und allzu lange Kitatage vermieden werden. Optimal wäre, wenn die Anwesenheitszeiten des Kindes der Arbeitszeit der eingewöhnenden Erzieherin angepasst werden könnten.

Sobald sich das Kind wirklich wohl und geborgen fühlt, sind solche Gegebenheiten keine Hindernisse mehr.

 


Im Konzept wird nur die weibliche Schreibweise benützt. Selbstverständlich sind damit auch die männlichen Erzieher angesprochen.